Fruchtbarkeitswerte erklärt: Was AMH & Co wirklich aussagen
Wer sich mit dem Thema Kinderwunsch beschäftigt, stösst schnell auf Begriffe wie AMH, FSH, LH, Estradiol, Prolaktin, SHBG und TSH. Diese Laborwerte geben wichtige Hinweise darauf, wie der Zyklus funktioniert, ob ein Eisprung stattfindet, wie gross die Eizellreserve ist und ob hormonelle Ungleichgewichte vorliegen.

Fruchtbarkeitswerte erklärt: Was AMH, FSH, LH, Estradiol, Prolaktin, SHBG und TSH wirklich aussagen
Wer sich mit dem Thema Kinderwunsch beschäftigt, stösst schnell auf Begriffe wie AMH, FSH, LH, Estradiol, Prolaktin, SHBG und TSH. Diese Laborwerte geben wichtige Hinweise darauf, wie der Zyklus funktioniert, ob ein Eisprung stattfindet, wie gross die Eizellreserve ist und ob hormonelle Ungleichgewichte vorliegen.
Wichtig dabei: Kein einzelner Wert kann allein beantworten, wie fruchtbar jemand ist. Fachgesellschaften betonen, dass Hormonwerte immer im Gesamtzusammenhang beurteilt werden sollten – also zusammen mit Alter, Zyklus, Beschwerden, Ultraschall und weiteren Untersuchungen.
In diesem Artikel erfährst du einfach erklärt, was die wichtigsten Fruchtbarkeitswerte bedeuten und wie du sie richtig einordnest.
Warum Hormonwerte bei Kinderwunsch wichtig sind
Hormonwerte helfen zu verstehen, wie die Eierstöcke arbeiten, ob ein Eisprung stattfindet und ob Hinweise auf hormonelle Störungen bestehen.
Dazu gehören unter anderem:
verminderte ovarielle Reserve
Zyklusunregelmässigkeiten
Ovulationsstörungen
PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom)
Hyperprolaktinämie
Wichtig ist: Laborwerte zeigen immer nur einen Teil des Gesamtbildes. Werte wie AMH, FSH oder Estradiol helfen bei der Einschätzung, sagen aber nicht zuverlässig voraus, ob eine spontane Schwangerschaft eintritt.
AMH: Wie gross ist die Eizellreserve?
AMH (Anti-Müller-Hormon) wird von kleinen Follikeln im Eierstock gebildet und gilt als wichtiger Marker für die ovarielle Reserve.
Niedriger AMH-Wert: Hinweis auf geringere Eizellreserve
Hoher AMH-Wert: kann auf viele Follikel hinweisen (z. B. bei PCOS)
Wichtig: AMH sagt nichts über die Qualität der Eizellen aus – diese hängt vor allem vom Alter ab.
Einfach erklärt:
AMH beantwortet die Frage: „Wie viele Eizellen sind ungefähr noch vorhanden?“
FSH: Wie stark werden die Eierstöcke stimuliert?
FSH (Follikelstimulierendes Hormon) wird in der Hypophyse gebildet und sorgt dafür, dass Eizellen heranreifen.
Messung: meist Zyklustag 2–5
Erhöhter Wert: Hinweis auf verminderte ovarielle Reserve
Wenn die Eierstöcke schlechter reagieren, produziert der Körper mehr FSH.
Einfach erklärt:
FSH beantwortet die Frage: „Wie stark muss der Körper die Eierstöcke anschieben?“
Estradiol: Was passiert gerade im Zyklus?
Estradiol ist das wichtigste Östrogen im Zyklus und wird von heranreifenden Follikeln gebildet.
Schwankt stark im Zyklus
Wird oft zusammen mit FSH gemessen
Ein hoher Wert zu Beginn des Zyklus kann FSH «überdecken».
Einfach erklärt:
Estradiol zeigt: „Was passiert hormonell gerade?“
LH: Wird der Eisprung ausgelöst?
LH (Luteinisierendes Hormon) löst den Eisprung aus.
LH-Anstieg = Auslösung der Ovulation
Grundlage von Ovulationstests
Einfach erklärt:
LH beantwortet: „Findet der Eisprung statt?“
Prolaktin: Gibt es einen Störfaktor im Zyklus?
Prolaktin ist ein Hormon, das vor allem in Schwangerschaft und Stillzeit erhöht ist.
Ausserhalb dieser Phase kann ein erhöhter Wert:
den Zyklus stören
den Eisprung verhindern
Wichtig: Prolaktin reagiert empfindlich auf Stress, Schlaf und Belastung – Werte sollten ggf. kontrolliert werden.
Einfach erklärt:
Prolaktin zeigt: „Stört etwas den Zyklus?“
SHBG: Wie viel Hormon ist aktiv?
SHBG (Sex-Hormone-Binding-Globulin) bindet Sexualhormone und beeinflusst deren Wirkung.
Zwei Personen können gleiche Hormonwerte haben – aber unterschiedlich viel frei verfügbares Hormon.
Relevant bei:
PCOS
Androgenüberschuss
unklaren Hormonwerten
Einfach erklärt:
SHBG beantwortet: „Wie viel Hormon ist wirklich wirksam?“
TSH: Wie gut ist die Schilddrüse eingestellt?
TSH steuert die Schilddrüse und ist zentral für Fruchtbarkeit und Schwangerschaft.
Ein Ungleichgewicht kann:
den Zyklus stören
den Eisprung beeinträchtigen
das Risiko für Fehlgeburten erhöhen
Wichtig: TSH sollte immer zusammen mit weiteren Werten (z. B. FT4) beurteilt werden.
Einfach erklärt:
TSH zeigt: „Ist die Schilddrüse optimal eingestellt?“
Warum ein einzelner Wert nie ausreicht
Kein Hormonwert sollte isoliert betrachtet werden:
Ein normaler AMH-Wert schliesst Probleme nicht aus
Ein erhöhter FSH-Wert erklärt nicht den gesamten Zyklus
Prolaktin kann durch Stress erhöht sein
Erst in Kombination mit:
Anamnese
Zyklusbeobachtung
Ultraschall
ggf. Spermaanalyse
entsteht ein vollständiges Bild.
Die wichtigsten Fruchtbarkeitswerte im Überblick
AMH: Eizellreserve
FSH: Stimulation der Eierstöcke
Estradiol: aktueller Hormonstatus im Zyklus
LH: Eisprung
Prolaktin: mögliche Zyklusstörung
SHBG: freie Hormonverfügbarkeit
TSH: Schilddrüsenfunktion
häufig gestellte Fragen zu Fruchtbarkeitswerten
Kann man Fruchtbarkeit an einem Wert erkennen?
Nein. Fruchtbarkeit lässt sich nicht mit einem einzelnen Blutwert bestimmen.
Welcher Wert ist am wichtigsten?
Das hängt von der Fragestellung ab:
AMH → Eizellreserve
FSH/Estradiol → Zyklusbeginn
LH → Eisprung
Prolaktin → Störungen
SHBG → Hormonverfügbarkeit
Kann man trotz auffälliger Werte schwanger werden?
Ja. Auffällige Werte bedeuten nicht, dass eine Schwangerschaft unmöglich ist. Sie geben nur Hinweise.
Fazit
Fruchtbarkeitswerte wie AMH, FSH, LH, Estradiol, Prolaktin, SHBG und TSH helfen, den Zyklus und hormonelle Zusammenhänge besser zu verstehen. Sie sind wichtige Bausteine in der Diagnostik – ersetzen aber nie den Blick auf das Gesamtbild.
Entscheidend ist das Zusammenspiel aller Faktoren:
Alter, Zyklus, Lebensstil und medizinische Befunde.
Nicht ein einzelner Wert entscheidet – sondern das Gesamtbild.
Medizinischer Hinweis:
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen solltest du dich an eine Fachperson wenden.